Interviews mit Felicitas Hoppe

Felicitas Hoppe im Interview mit der Süddeutschen Zeitung

Felicitas Hoppe hat auf den Spuren der sowjetischen Autoren Ilja Ilf und Jewgeni Petrow die USA durchquert. Mit der Süddeutschen Zeitung sprach sie über die literarische Feldforschung. Hier geht es zum Interview

 


Fragen wie Fichte

Hundertvierzehn.de, das literarische Online-Magazin der S. Fischer Verlage, hat Felicitas Hoppe die Fragen gestellt, die Hubert Fichte in seinen St. Pauli-Interviews auch Wolli, Johnny und Sandra gestellt hat. Mit den St. Pauli-Interviews und seinem Interesse an der Wirklichkeit, an Alltag, an »oral history« hat Hubert Fichte in den siebziger Jahren einen neuen Ton in die deutsche Literatur eingeführt.

 


Felicitas Hoppe - Erfinden, Erleben, Erzählen

Für »Sternstunden der Philosophie« hat Felicitas Hoppe mit Juri Steiner gesprochen. Sie erzählt von dem Geheimnis der Identität, spricht über ihre fiktive Autobiographie «Hoppe» und Pinocchio.

SRF, Sendung von Sonntag, dem 11. November 2012 - Hier geht es zum Video

 

 


Interview mit Felicitas Hoppe zu ›Hoppe‹

DAS BESTE, WAS BISLANG ÜBER HOPPE GESCHRIEBEN WURDE!
Fünf Fragen von Felicitas Hoppe (fh) an die Autorin von Hoppe (Hoppe)

fh: Ist es nicht ein bisschen eitel, mit 50 seine Autobiographie zu schreiben?

Hoppe: Moment mal: Hoppe ist keine Autobiographie, sondern eine Biographie über Felicitas Hoppe. Und die war, unter uns gesagt, längst überfällig. Es ist ja jede Menge Unsinn über Hoppe in Umlauf. Ihre erste Autobiographie schrieb sie (in Hoppe nachzulesen/fh) übrigens bereits mit zehn. Da war Wayne Gretzky, Hoppes erste große Liebe, schon ein Eishockeystar und Glenn Gould, Hoppes Jugendliebe, gab längst Konzerte. Da musste sie natürlich nachziehen. Schon damals wusste sie genau: Training ist alles.

fh: Training?

Hoppe: Genau das. Wir haben es ja in Hoppe nicht nur mit Hoppe zu tun, sondern mit den drei besten der Besten: The Great Gretzky auf dem Eis, Glenn Gould an den Tasten, Hoppe im Text, alle drei absolute Ausnahmebegabungen, unermüdliche Praktiker, schon als Kinder Meister ihres Fachs, ein faszinierendes Trio. Sie alle folgen darin Walters (gemeint ist Waynes Vater Walter Gretzky/fh) Devise: »CHASE THAT!« Immer nach vorne spielen, aufs Tor.

fh: In Hoppe wimmelt es nur so von Slogans, von Devisen, von Wahlsprüchen. Wieso?

Hoppe: Hoppe gehört im Grunde ihres Herzens und ihrem ganzen Wesen nach natürlich in die Werbung. Denken Sie nur an ihre Agentur für alles. Sie weiß einfach, worauf es im Leben ankommt, vor allem dann, wenn die Rechnung nicht aufgeht. Ihre Lieblingsdevise lautet: »Wer zögert, verliert.« Und last but not least: »KRÖNE DICH SELBST – SONST KRÖNT DICH KEINER!«

fh: Sind das glückliche Lebengeschichten? Traumkarrieren?

Hoppe: Glück ist in Hoppes Leben (in Hoppe nachzulesen/fh) keine Kategorie. Wayne ist glücklich, weil er den Puck, nicht das Glück jagt. Glenn ist Puritaner und auf was ganz anderes aus. Also tatsächlich – drei Traumbiographien im wahrsten Sinn des Wortes. Die machen alle drei genau, was sie wollen: spielen, komponieren, erzählen, erfinden. Unter Aufbietung aller Kräfte. Mit Risiken und Nebenwirkungen.

fh: Und was kommt dabei raus?

Hoppe: Kunst!
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Pacific Palisades im Januar 2012

 


Programmleiter Oliver Vogel im Gespräch mit der Autorin von »Johanna« (S. Fischer Verlag)

Oliver Vogel: Wie kamst Du auf Jeanne d'Arc?

Felicitas Hoppe: Durch ein Leseerlebnis! Die historischen Prozessakten der Jeanne d'Arc. Jeanne steht vor ihren Richtern und spricht. Mich hat dieser Text, bzw. die Frau, die hier spricht, unglaublich fasziniert und sehr stark berührt, und ich sage BERÜHRT und nicht GERÜHRT. Man spürt sofort, dass man es mit jemandem zu tun hat, der in jeder Hinsicht außerordentlich ist.

Oliver Vogel: Was bedeutet diese Frau für Dich?

Felicitas Hoppe: Für mich ist Jeanne der Inbegriff des Unmöglichen. Jemand, der tut, was er möchte, auf eigene Faust, aus eigener Entscheidung, jemand, der einer Berufung folgt, selbst auf die Gefahr hin, daran zu scheitern, die Gefahr der Lächerlichkeit inklusive. Das heißt, sie ist das Ziel meiner Wünsche. Dessen, was man sich selber zu tun wünscht und was man vermutlich nie tun wird, weil man nicht kann, nicht wagt, sich nicht traut. Jeanne weiß nicht nur genau, was sie will, sondern sie setzt es tatsächlich auch in die Tat um. Und sie ist, wenn man sie genauer betrachtet, auch ein Spiegel, Spiegel eigener Träume, eigener Ängste, eigener Unvollkommenheiten. Schließlich war sie kein Übermensch und eigentlich auch keine Heilige, sondern eine junge Frau voller Widersprüche, einfältig und hellsichtig, nüchtern und leidenschaftlich, ziemlich lebenslustig, dabei vollkommen unbeirrbar und doch immer gequält – vor allen Dingen: Sie war allein. (Und das ist es wohl, was wir am meisten fürchten!)

Oliver Vogel: Was bedeutet sie für uns heute?

Felicitas Hoppe: Dasselbe Ärgernis wie damals, als sie noch lebte. Weil es meiner Meinung nach keine ›Zeit‹ gibt, in die Johanna gehört. Natürlich ist sie ein Kind des 15. Jahrhunderts, aber genau genommen passte sie damals genauso wenig ins System. Ein Leben jenseits von Rollenmustern. Eine radikale Provokation. Jemand wie Johanna fällt einfach heraus. Sie ist einzigartig, vor allem, sie lässt sich nicht instrumentalisieren. Das wäre heute nicht anders. Johanna ist weder Parteigängerin noch Selbstmordattentäterin. Sie stirbt nicht für irgendeine Sache, sondern sie lebt (mit tödlicher Konsequenz) für ihre Sache. ("Ich bleibe bei Gott und bei meiner Meinung!") Kurz gesagt: Sie tut das, wovon wir bestenfalls reden. Aber wenn man mal von diesen übergroßen Maßstäben herunterkommt, sieht man sie eigentlich noch deutlicher vor sich. Entwaffnend, präsent, geistesgegenwärtig. Fast möchte man sagen: Ein Vorbild. Aber unnachahmlich...

Oliver Vogel: War sie eine Feministin?

Felicitas Hoppe: Muss ich verneinen. Genau genommen war Johanna Monarchistin, sie liebte ihren König über alles, was er übrigens nicht sonderlich gedankt hat. Aber was kann man machen. Er blieb trotzdem Teil ihres Projekts. Und ansonsten – Johanna hatte nicht viel Sinn für Frauenpolitik, was wohl daran liegt, dass sie sich für die EINZIG WAHRE hielt. Da ist wenig Platz für andere Damen.

Oliver Vogel: Welche anderen Darstellungen haben Dich beeinflusst?

Felicitas Hoppe: In der Literatur und in der Bildenen Kunst wimmelt es von Johannen. Da sind einige tolle Sachen dabei, Schillers JUNGFRAU liebe ich sehr, aber wahrscheinlich deshalb, weil sie wirklich stark von der Historie abweicht. Brecht ist reinster Polit-kitsch, und das Stück von Shaw ist redlich, nur sehr protestantisch, der Mann hat einfach Probleme mit Jeannes Bildwelt und will es nicht recht zugeben – naja, kurz gesagt: jede Beschreibung, Bearbeitung, Verfilmung ist eine Jeanne-Schrumpfung, weil in Jeanne so viel drinsteckt, das man sie unfreiwillig verkleinert. Aber bei so vielen großen Vorgängern wollte ich natürlich nicht hinten anstehen, sondern meine eigene Jeanne zeigen. Und da sie vollkommen unerschöpflich und absolut unerreichbar ist, kann eigentlich nicht viel passieren. Es geht dann eben auf neue Art schief. Und die Faszination bleibt. Bis zur nächsten Jeanne!

 


Zwei Welten. Uwe Dörwald im Gespräch mit Felicitas Hoppe und Timo Bracht.

Vielleicht gibt es Schnittmengen zwischen Prozessen im Leistungssport und beim Schreiben eines neuen Buches, Schnittmengen also zwischen Sport und Literatur. Beide Welten, die der Literatur und die des Sports, haben Gemeinsamkeiten wie zum Beispiel Ausdauer, Fleiß, Leistungsbereitschaft oder schlicht Leidenschaft für die Sache. Aber auch Einsamkeit ist ein Thema - sowohl beim Schreiben, als auch beim Training. Was meine Gesprächspartner zu diesen und anderen Themen zu sagen haben, kann man hier lesen. Zum vollständigen Interview