Interviews mit Felicitas Hoppe

Weniger Ich - Mehr Welt: Felicitas Hoppe im Gespräch mit Ulrich Kühn (NDR Kultur)

02.01.2022 / Fantasievoll, sprachmächtig und von feinstem Gespür für gesellschaftliche Veränderungen: Die vielfach ausgezeichnete Felicitas Hoppe ist eine der eindrucksvollsten deutschsprachigen Gegenwartsautorinnen. Gerade hat sie aufs Neue ihre literarische Virtuosität bewiesen - mit ihrem Roman "Die Nibelungen. Ein deutscher Stummfilm", mit dem sie quer durchs Land unterwegs war. Wie klar Hoppes Blick auf Kunst und Gesellschaft ist, zeigte sich etwa im Frühjahr 2020: Früh identifizierte sie die Corona-Pandemie als "Lupe", die auch weniger schöne Entwicklungen zum Vorschein brachte, nicht zuletzt solche im Literaturbetrieb.

Zum Jahreswechsel blickt Felicitas Hoppe nun im Gespräch mit Ulrich Kühn zurück auf trügerische Wiederbegegnungen mit der Normalität. Und sie richtet den Blick kritisch-optimistisch nach vorn: Veränderungen sollten angenommen werden, um neue Modelle und Formate zu entwickeln - damit sich die Kunst behaupten kann, in einer Wirklichkeit, die sich rasend schnell wandelt.

Zum Gespräch


Felicitas Hoppe und Denis Scheck im Gespräch bei "druckfrisch"

12.12.2021 / Auf dem Domplatz zu Worms präsentiert eine Schauspieltruppe das Nibelungenlied als Theateraufführung – und dieses Grundgeschehen wird von Felicitas Hoppe zum Lustspiel über Zitat, Ironie und die zersetzende Kraft der Literatur.

"Uns ist in alten mæren wunders vil geseit / von helden lobebæren, von grôzer arebeit, / von fröuden hôchgezîten, von weinen und von klagen, / von küener recken strîten muget ir nu wunder hœren sagen." So hebt das Nibelungenlied an, dieses Heldenepos, das in seiner Rezeptionsgeschichte so verehrt, verdeutet, verkitscht und missbraucht wurde, das ideologisch so beladen und dann doch als Kunstwerk einzigartig ist.

Der blonde Siegfried, der dunkle Hagen, die gezähmten Frauen Kriemhild und Brunhild, der Durst nach dem Schatz und des Drachen Ende. Hinter schwarzen Texttafeln, die wie im Stummfilm die Kapitel ankündigen, experimentiert Felicitas Hoppe lustvoll mit dem Mythos, dekonstruiert und setzt neu zusammen. Und fährt in literarischem Schnelltempo der Frage hinterher: Wie war‘s wohl? Wie geht die wahre Geschichte der Nibelungen, dieser europäischen Helden, die in Island oder Norwegen beginnt, am Rhein entlang spielt, die Donau runter erzählt wird und schließlich im Schwarzen Meer mündet? ... Zum Sendungsmitschnitt


Felicitas Hoppe zu Gast beim Büchermagazin Diwan


Bilder, Gesten, Requisiten: Felicitas Hoppe über ihr Nibelungen-Buch

21.10.2021 / „Ein deutscher Stummfilm“ heißt Felicitas Hoppes Nibelungen-Buch im Untertitel. In der Sonderfolge des Bücher-Podcasts stellte die Autorin es am Buchmesse-Stand der F.A.Z. vor – im Gespräch mit Tilman Spreckelsen. Zum Podcast


Felicitas Hoppe im Gespräch mit Wiebke Porombka

17.10.2021 / „Nur Helden fürchten sich nie, deshalb schreiben sie keine Bücher.“ - Bei ihrem „Buchbesuch“ in der Küche der Literaturredakteurin Wiebke Poromka (DLF KULTUR) erzählt Felicitas Hoppe von der Last des Erfolgs und ihrer Faszination für den Nibelungen-Mythos. Zum Gespräch bzw. zum Buchbesuch in der Küche


Felicitas Hoppe über "Die Nibelungen": "Diese Geschichte ist eine Gewaltmaschine, die nicht zu stoppen ist."

06.10.2021 / Felicitas Hoppe spricht mit Daniella Baumeister (HR2) über ihren Roman "Die Nibelungen". Sendung: hr2-kultur, "Am Nachmittag", 06.10.2021, 17:15 Uhr / Veröffentlicht am 06.10.21 um 17:43 Uhr


Felicitas Hoppe beim Literaricum Lech

08.07.2021 / Über Autoren als Hofnarren, Pinocchio und ihr neues Nibelungen-Buch: Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe im „Presse“-Gespräch mit Anne-Catherine Simon (PDF).

Quelle: Die Presse


Ich bin eine fremdbestimmte Reisende

22.04.2021 / Felicitas Hoppe im Interview mit Patrick Bauer im Magazin der Süddeutschen Zeitung.

Die Schriftstellerin Felicitas Hoppe ist eigentlich immer in Bewegung. Nun sitzt sie seit einem Jahr in Berlin am Schreibtisch – und muss lernen, auch ohne Reisen zu schreiben. Link


Wer hat Angst vor Dr. Seuss ?

06.03.2021 / "Die Bücher des berühmtesten amerikanischen Kinderbuchators, Dr. Seuss, sind bis heute Weltbestseller. Nun werden, wie Dr. Seuss Enterprises mitteilt, sechs von ihnen aus dem Programm genommen, weil 'diese Bücher Menschen auf eine Weise darstellen, die verletzend und falsch ist.'

Felicitas Hoppe als Seuss-Übersetzerin hat sich dazu am 05.03.2021 im DLF KULTUR geäußert."


Felicitas Hoppe zur FREEDOM FROM FEAR

04.03.2021 / „Freedom from Fear“ (Angstfreiheit) gehörte zu jenen vier Grundfreiheiten, die  Präsident Franklin D. Roosevelt, am 4.3.1933 ins Amt gewählt, im Jahr 1941 für alle Menschen deklarierte: Sie sollten Meinungs- und Glaubensfreiheit genießen und frei von Armut und eben Angst sein. In den damaligen Kriegszeiten klang das utopisch.

1948 aber gingen diese vier Freiheiten in die UN-Menschenrechtscharta ein; mit der Umsetzung hapert es bis heute. Und in gewisser Weise umfasst die Angstfreiheit alle anderen Freiheiten. Deshalb steht sie im Mittelpunkt der Aussagen von vierzehn internationalen Intellektuellen, die in ihren als „transatlatischer Dialog“ konzipierten Videobeiträgen erzählen, was ihnen Angstfreiheit bedeutet, darunter Peter Sellars,  Sasha Waltz, Sam Durant, Rosa Barba und Mohamed Amjahid.

Den Auftakt macht auf der Youtube-Seite des Thomas Mann House die Berliner Schriftstellerin Felicitas Hoppe, die in ihrem Filmbeitrag auch Auskunft gibt über ihr derzeit in Arbeit befindliches Projekt einer Nacherzählung des Nibelungenlieds (einer fürwahr angstgesättigten Geschichte), wozu sie Zeichnungen ihres Kollegen Karlheinz Koinegg zeigt, der auf ebenso witzige Weise wie Hoppe selbst die Arbeitsumstände und Selbstbefragungen der Schriftstellerin illustriert hat.

Quelle: Andreas Platthaus / FAZ / 02.03.2021


Felicitas Hoppe über Wikipedia: „Eine Quelle großer Inspiration“

15.01.2021 / Wikipedia ist die größte digitale Enzyklopädie und hat die analogen Nachschlagewerke überholt. Die Schriftstellerin Felicitas Hoppe zieht aus dem Wikipedia-Netzwerk literarisches „Assoziationsmaterial“: „Ich habe Entdeckungen gemacht, die ich sonst nicht gemacht hätte“, sagte Hoppe im Gespräch mit Maja Ellmenreich im Dlf.  Zum Interview


Felicitas Hoppe im Gespräch mit Birgid Becker

„Hochpolitisch und sehr widersprüchlich“

26.12.2020 / Vor rund 850 Jahren wurde der große Dichter Walther von der Vogelweide, geboren. Die Lyrik des Minnesängers sei in vielen Bereichen noch heute aktuell, sagte die Schriftstellerin Felicitas Hoppe im Deutschlandfunk – vor allem, wenn es um Antworten auf ethisch-moralische Fragen gehe. Zum Interview

Die Minnesänger des 12. und 13. Jahrhunderts, darunter auch Walther von der Vogelweide, gehörten zur Avantgarde ihrer Zeit, die in ihrer Kunst gesellschaftliche Veränderungsprozesse erfassten und zum Ausdruck brachten. Die Schriststellerin Felicitas Hoppe begleitet das Werk des Dichters schon viele Jahre.

Sein Werk sei leider etwas verlorengegangen, bedauerte sie im Dlf. In den Übersetzungen merke man, wie aktuell er immer noch sei. Der Dichter befasse sich mit ähnlichen Fragen, die sich auch heute noch viele Menschen stellten – „nämlich, wie man im Grunde sein Leben in den Griff kriegt, mit der weltlichen Gewalt umgeht, sich als Künstler vor der Macht verbiegen muss“. 

Walther von der Vogelweide sei auch „hochpolitisch und sehr widersprüchlich“ gewesen – und im ständigen Streit mit den Mächtigen. Es gehe oftmals um die Frage, wie man Ehre und Besitz erlange und trotzdem ein ehrlicher Mensch bleiben könne, meint Hoppe: „Das sind moralisch ethische Fragen, das macht ihn hochaktuell“. Daneben würden die Frage nach der Wahrnehmung der Welt, die Frage nach Trug und Wirklichkeit immer wieder auftauchen. Auch mit diesen Motiven sei er zeitlos.


Amerika ist auch ein Land der Träumer

09.11.2020 / "Die Schriftstellerin Felicitas Hoppe hat ein intensives Verhältnis zu den USA. Die Diskussion um Fake News und Wahrheit empfindet sie als Misstrauensvotum an die Literatur." schreibt die AUGSBURGER ALLGEMEINE. Zum Interview unter dem Titel "Amerika ist auch ein Land der Träumer", das geführt wurde, als feststand, dass Joe Biden der nächste Präsident der USA sein wird, geht es hier.

 


THE DAY AFTER - Felicitas Hoppe zur Wahl in den USA

04.11.2020 / Hören Sie jetzt und hier das Interview, das der Deutschlandfunk (Kultur heute) mit Felicitas Hoppe am Tag nach der Wahl geführt hat.

 


Zwei Welten. Uwe Dörwald im Gespräch mit Felicitas Hoppe und Timo Bracht.

21.05.2016 / Vielleicht gibt es Schnittmengen zwischen Prozessen im Leistungssport und beim Schreiben eines neuen Buches, Schnittmengen also zwischen Sport und Literatur. Beide Welten, die der Literatur und die des Sports, haben Gemeinsamkeiten wie zum Beispiel Ausdauer, Fleiß, Leistungsbereitschaft oder schlicht Leidenschaft für die Sache. Aber auch Einsamkeit ist ein Thema - sowohl beim Schreiben, als auch beim Training. Was meine Gesprächspartner zu diesen und anderen Themen zu sagen haben, kann man hier lesen. Zum vollständigen Interview

 


Felicitas Hoppe im Interview mit der Süddeutschen Zeitung

09.11.2015 / Felicitas Hoppe hat auf den Spuren der sowjetischen Autoren Ilja Ilf und Jewgeni Petrow die USA durchquert. Mit der Süddeutschen Zeitung sprach sie über die literarische Feldforschung. Hier geht es zum Interview

 


Fragen wie Fichte

Hundertvierzehn.de, das literarische Online-Magazin der S. Fischer Verlage, hat Felicitas Hoppe die Fragen gestellt, die Hubert Fichte in seinen St. Pauli-Interviews auch Wolli, Johnny und Sandra gestellt hat. Mit den St. Pauli-Interviews und seinem Interesse an der Wirklichkeit, an Alltag, an »oral history« hat Hubert Fichte in den siebziger Jahren einen neuen Ton in die deutsche Literatur eingeführt.

 


Felicitas Hoppe - Erfinden, Erleben, Erzählen

Für »Sternstunden der Philosophie« hat Felicitas Hoppe mit Juri Steiner gesprochen. Sie erzählt von dem Geheimnis der Identität, spricht über ihre fiktive Autobiographie «Hoppe» und Pinocchio.

SRF, Sendung von Sonntag, dem 11. November 2012 - Hier geht es zum Video

 

 


Interview mit Felicitas Hoppe zu ›Hoppe‹

DAS BESTE, WAS BISLANG ÜBER HOPPE GESCHRIEBEN WURDE!
Fünf Fragen von Felicitas Hoppe (fh) an die Autorin von Hoppe (Hoppe)

fh: Ist es nicht ein bisschen eitel, mit 50 seine Autobiographie zu schreiben?

Hoppe: Moment mal: Hoppe ist keine Autobiographie, sondern eine Biographie über Felicitas Hoppe. Und die war, unter uns gesagt, längst überfällig. Es ist ja jede Menge Unsinn über Hoppe in Umlauf. Ihre erste Autobiographie schrieb sie (in Hoppe nachzulesen/fh) übrigens bereits mit zehn. Da war Wayne Gretzky, Hoppes erste große Liebe, schon ein Eishockeystar und Glenn Gould, Hoppes Jugendliebe, gab längst Konzerte. Da musste sie natürlich nachziehen. Schon damals wusste sie genau: Training ist alles.

fh: Training?

Hoppe: Genau das. Wir haben es ja in Hoppe nicht nur mit Hoppe zu tun, sondern mit den drei besten der Besten: The Great Gretzky auf dem Eis, Glenn Gould an den Tasten, Hoppe im Text, alle drei absolute Ausnahmebegabungen, unermüdliche Praktiker, schon als Kinder Meister ihres Fachs, ein faszinierendes Trio. Sie alle folgen darin Walters (gemeint ist Waynes Vater Walter Gretzky/fh) Devise: »CHASE THAT!« Immer nach vorne spielen, aufs Tor.

fh: In Hoppe wimmelt es nur so von Slogans, von Devisen, von Wahlsprüchen. Wieso?

Hoppe: Hoppe gehört im Grunde ihres Herzens und ihrem ganzen Wesen nach natürlich in die Werbung. Denken Sie nur an ihre Agentur für alles. Sie weiß einfach, worauf es im Leben ankommt, vor allem dann, wenn die Rechnung nicht aufgeht. Ihre Lieblingsdevise lautet: »Wer zögert, verliert.« Und last but not least: »KRÖNE DICH SELBST – SONST KRÖNT DICH KEINER!«

fh: Sind das glückliche Lebengeschichten? Traumkarrieren?

Hoppe: Glück ist in Hoppes Leben (in Hoppe nachzulesen/fh) keine Kategorie. Wayne ist glücklich, weil er den Puck, nicht das Glück jagt. Glenn ist Puritaner und auf was ganz anderes aus. Also tatsächlich – drei Traumbiographien im wahrsten Sinn des Wortes. Die machen alle drei genau, was sie wollen: spielen, komponieren, erzählen, erfinden. Unter Aufbietung aller Kräfte. Mit Risiken und Nebenwirkungen.

fh: Und was kommt dabei raus?

Hoppe: Kunst!
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Pacific Palisades im Januar 2012

 


Programmleiter Oliver Vogel im Gespräch mit der Autorin von »Johanna« (S. Fischer Verlag)

Oliver Vogel: Wie kamst Du auf Jeanne d'Arc?

Felicitas Hoppe: Durch ein Leseerlebnis! Die historischen Prozessakten der Jeanne d'Arc. Jeanne steht vor ihren Richtern und spricht. Mich hat dieser Text, bzw. die Frau, die hier spricht, unglaublich fasziniert und sehr stark berührt, und ich sage BERÜHRT und nicht GERÜHRT. Man spürt sofort, dass man es mit jemandem zu tun hat, der in jeder Hinsicht außerordentlich ist.

Oliver Vogel: Was bedeutet diese Frau für Dich?

Felicitas Hoppe: Für mich ist Jeanne der Inbegriff des Unmöglichen. Jemand, der tut, was er möchte, auf eigene Faust, aus eigener Entscheidung, jemand, der einer Berufung folgt, selbst auf die Gefahr hin, daran zu scheitern, die Gefahr der Lächerlichkeit inklusive. Das heißt, sie ist das Ziel meiner Wünsche. Dessen, was man sich selber zu tun wünscht und was man vermutlich nie tun wird, weil man nicht kann, nicht wagt, sich nicht traut. Jeanne weiß nicht nur genau, was sie will, sondern sie setzt es tatsächlich auch in die Tat um. Und sie ist, wenn man sie genauer betrachtet, auch ein Spiegel, Spiegel eigener Träume, eigener Ängste, eigener Unvollkommenheiten. Schließlich war sie kein Übermensch und eigentlich auch keine Heilige, sondern eine junge Frau voller Widersprüche, einfältig und hellsichtig, nüchtern und leidenschaftlich, ziemlich lebenslustig, dabei vollkommen unbeirrbar und doch immer gequält – vor allen Dingen: Sie war allein. (Und das ist es wohl, was wir am meisten fürchten!)

Oliver Vogel: Was bedeutet sie für uns heute?

Felicitas Hoppe: Dasselbe Ärgernis wie damals, als sie noch lebte. Weil es meiner Meinung nach keine ›Zeit‹ gibt, in die Johanna gehört. Natürlich ist sie ein Kind des 15. Jahrhunderts, aber genau genommen passte sie damals genauso wenig ins System. Ein Leben jenseits von Rollenmustern. Eine radikale Provokation. Jemand wie Johanna fällt einfach heraus. Sie ist einzigartig, vor allem, sie lässt sich nicht instrumentalisieren. Das wäre heute nicht anders. Johanna ist weder Parteigängerin noch Selbstmordattentäterin. Sie stirbt nicht für irgendeine Sache, sondern sie lebt (mit tödlicher Konsequenz) für ihre Sache. ("Ich bleibe bei Gott und bei meiner Meinung!") Kurz gesagt: Sie tut das, wovon wir bestenfalls reden. Aber wenn man mal von diesen übergroßen Maßstäben herunterkommt, sieht man sie eigentlich noch deutlicher vor sich. Entwaffnend, präsent, geistesgegenwärtig. Fast möchte man sagen: Ein Vorbild. Aber unnachahmlich...

Oliver Vogel: War sie eine Feministin?

Felicitas Hoppe: Muss ich verneinen. Genau genommen war Johanna Monarchistin, sie liebte ihren König über alles, was er übrigens nicht sonderlich gedankt hat. Aber was kann man machen. Er blieb trotzdem Teil ihres Projekts. Und ansonsten – Johanna hatte nicht viel Sinn für Frauenpolitik, was wohl daran liegt, dass sie sich für die EINZIG WAHRE hielt. Da ist wenig Platz für andere Damen.

Oliver Vogel: Welche anderen Darstellungen haben Dich beeinflusst?

Felicitas Hoppe: In der Literatur und in der Bildenen Kunst wimmelt es von Johannen. Da sind einige tolle Sachen dabei, Schillers JUNGFRAU liebe ich sehr, aber wahrscheinlich deshalb, weil sie wirklich stark von der Historie abweicht. Brecht ist reinster Polit-kitsch, und das Stück von Shaw ist redlich, nur sehr protestantisch, der Mann hat einfach Probleme mit Jeannes Bildwelt und will es nicht recht zugeben – naja, kurz gesagt: jede Beschreibung, Bearbeitung, Verfilmung ist eine Jeanne-Schrumpfung, weil in Jeanne so viel drinsteckt, das man sie unfreiwillig verkleinert. Aber bei so vielen großen Vorgängern wollte ich natürlich nicht hinten anstehen, sondern meine eigene Jeanne zeigen. Und da sie vollkommen unerschöpflich und absolut unerreichbar ist, kann eigentlich nicht viel passieren. Es geht dann eben auf neue Art schief. Und die Faszination bleibt. Bis zur nächsten Jeanne!