HOPPE AKTUELL

Neue ZĂŒricher Zeitung (NZZ) vom 09.09.2020

Hoppes ZĂŒricher Kanzelrede "Ohne Ansehen der Person"

Wir wollen erkannt werden, wie wir sind. Nicht als die, welche die anderen in uns sehen. - Achtung, Einfluss, Prestige: Sind sie Teil einer Person? Oder verbergen sie nur den Menschen dahinter? Vielleicht sollten wir immer auf zehn zÀhlen, bis wir jemandem ins Gesicht sehen. - Link


Felicitas Hoppe erhĂ€lt 2021 den Kasseler Literaturpreis fĂŒr grotesken Humor

Die Schriftstellerin Felicitas Hoppe wird im Jahr 2021 mit dem „Kasseler Literaturpreis fĂŒr grotesken Humor“ ausgezeichnet. Der Preis, vergeben von der Stiftung BrĂŒckner-KĂŒhner und der Stadt Kassel, ehrt die Autorin fĂŒr ihren feinen Humor, der als Haltung zur Welt und Quelle der Einbildungskraft ihrem einzigartigen Werk zugrunde liegt. Dies gab OberbĂŒrgermeister Christian Geselle jetzt bekannt und beendete damit die Geheimhaltung der bereits Anfang MĂ€rz getroffenen Wahl.

Der „Kasseler Literaturpreis fĂŒr grotesken Humor“, gestiftet von dem Schriftstellerpaar Christine BrĂŒckner und Otto Heinrich KĂŒhner, wird seit 1985 jĂ€hrlich vergeben. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und zeichnet Autoren und Autorinnen aus, deren Werk auf hohem kĂŒnstlerischen Niveau von Humor, Komik und Groteske geprĂ€gt ist. Der erste PreistrĂ€ger war Loriot; nach ihm wurden z.B. Ernst Jandl, Irmtraud Morgner, Herbert Achternbusch oder Sibylle Berg und zuletzt Heinz Strunk ausgezeichnet.

Die Preisverleihung findet, so wie die Corona-Pandemie es zulĂ€sst, am 27. Februar 2021 im Kasseler Rathaus statt. Die Laudatio auf Felicitas Hoppe hĂ€lt der Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Steffen Martus. Die Kasseler Sparkasse unterstĂŒtzt den Preis großzĂŒgig.

BegrĂŒndung des Stiftungsrates

„Felicitas Hoppes einzigartigem und vielfĂ€ltigem Oeuvre liegt auf allen Ebenen des Schreibens Humor als Haltung zur Welt und als Quelle literarischer Einbildungskraft zugrunde. Ihre faszinierende poetische Beweglichkeit hat sagen- und mĂ€rchenhaft verdichtete Geschichten hervorgebracht, die von „Picknick der Friseure“ bis „Prawda“ reichen. Gelehrt und vergnĂŒglich werden dabei viele volkstĂŒmliche und hochliterarische Traditionen eingeflochten und fortgesponnen. So wird erzĂ€hlt und zugleich gewitzt gezeigt, wie ErzĂ€hlen vor sich geht. Komik ist dabei Mittel zur Distanzierung wie zum Lustgewinn, fein dosiert und doch reichhaltig eingesetzt, ob nun als ironische Metafiktion, als Sprach-, Figuren- oder Situationskomik oder auch bloß als Kalauer. Das Grotesk-Komische und mit ihm Verfremdung und VerrĂ€tselung bescheren dem Lesepublikum eine entschleierte und erfrischte Wahrnehmung, ein waches Staunen bei der Erkundung von Fiktionen und Wahrheiten: Der groteske Humor von Felicitas Hoppes Sprachkunst eröffnet auf ausgesprochen zugewandte Weise einen neuen Zugang zur Lebenskunst.“

Quelle: Stiftung BrĂŒckner-KĂŒhner (03.09.2020)


Erste PreistrĂ€gerin des Großen Preises des Deutschen Literaturfonds

Aus dem Kreis der bisher durch den Deutschen Literaturfonds geförderten Stipendiaten und Stipendiatinnen wĂ€hlte die Jury, bestehend aus Bettina Fischer, Manuela Reichart und Hans Thill, Felicitas Hoppe als erste PreistrĂ€gerin des Großen Preises des Deutschen Literaturfonds. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und wird am 7. Oktober in Berlin verliehen.

Die BegrĂŒndung der Jury:

„Felicitas Hoppe, 1960 geboren, hat seit dem ErzĂ€hlungsband ‚Picknick der Friseure‘ im Jahr 1996 ein im besten Sinne breit gefĂ€chertes Werk vorgelegt: erzĂ€hlerisch reizvolle Erkundungen zu Fragen der IdentitĂ€t ebenso wie lebendige Geschichten fĂŒr Kinder oder auch eine Reihe aufschlussreicher Poetik-Vorlesungen. Felicitas Hoppes Romane – von ‚Pigafetta‘ (1999) ĂŒber ‚Johanna‘ (2006) zu ‚Hoppe‘ (2012) oder ‚Prawda. Eine amerikanische Reise‘ (2018) - bergen stets ein besonderes, nicht zuletzt sprachliches Geheimnis. Im vergangenen Jahr hat sie neben einem ‚Making of‘ zu ihrem letzten Roman ‚Prawda. Eine amerikanische Reise‘ auch ‚Grimms MĂ€rchen fĂŒr die Heldinnen von heute und morgen‘ herausgegeben und ermöglicht auf diese Weise auch eine vertiefende Sicht auf Texte, die sie begleiten und faszinieren.

Weitgereist teilt die Autorin ihren neugierigen Blick, aufgeschlossen begegnet sie der Welt und der Literatur. Felicitas Hoppe stellt Fragen an Sein und Wirklichkeit und lĂ€sst uns ĂŒber den Horizont unserer alltĂ€glichen Wahrnehmung hinausblicken. Ihrer Leserschaft wie auch ihren Zuhörerinnen und Zuhörern gibt sie immer wieder neue SchlĂŒssel zum VerstĂ€ndnis in die Hand, wenn sie so klug wie amĂŒsant ĂŒber ihre eigenen wie die Werke anderer Auskunft gibt. Ihr Erfindungsreichtum, ihre bildreiche Sprache, ihre Freude am Spiel wurden schon oft gerĂŒhmt – so erhielt Felicitas Hoppe den Georg-BĂŒchner-Preis im Jahr 2012.

Aufgrund der Vielfalt ihres Werkes, der wachen Wahrnehmung der Autorin, der funkensprĂŒhenden Vielschichtigkeit ihres Schreibens spricht die Jury Felicitas Hoppe den Großen Preis des Deutschen Literaturfonds zu.“

Der Große Preis des Deutschen Literaturfonds

Der Deutsche Literaturfonds, der sich seit 1980 der Förderung deutschsprachiger Gegenwartsliteratur widmet, hat sein 40-jĂ€hriges JubilĂ€um zum Anlass genommen, in diesem Jahr erstmals den mit 50.000 Euro dotierten Großen Preis des Deutschen Literaturfonds zu vergeben. Der Preis geht hervor aus dem zuletzt mit 30.000 Euro dotierten Kranichsteiner Literaturpreis, der zwischen 1983 und 2019 jĂ€hrlich durch den Deutschen Literaturfonds in Darmstadt verliehen wurde.

Der Vorstand des Deutschen Literaturfonds (Susanne Fischer, Wend KĂ€ssens, Dr. Robert Staats) erklĂ€rt dazu: „Der Große Preis des Deutschen Literaturfonds gehört zu den höchstdotierten Literaturpreisen. Er ist aber viel mehr: Signal fĂŒr die umfassende Förderung der anspruchsvollen deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Überregional, marktunabhĂ€ngig und jenseits politischer Vorgaben.“

Quelle: Deutscher Literaturfonds (29.07.2020)

 


ARD RADIOFESTIVAL

Felicitas Hoppe befragt von Ulrich KĂŒhn. Sie habe nie klarer gesehen als jetzt wĂ€hrend der Corona-Krise, sagt Felicitas Hoppe. Die Autorin hat eine ErzĂ€hlung ĂŒber das Reisen verfasst - fĂŒr die Lesung im ARD Radiofestival.

 


Felicitas Hoppe - Prawda

Im Westen endlich was Neues: die Wahrheit ĂŒber Amerika

BĂŒchner-PreistrĂ€gerin Felicitas Hoppe auf Expedition in einem unbekannten Amerika: Zehntausend so komische wie hochpoetische Meilen reist Hoppe von Boston ĂŒber San Francisco bis Los Angeles und zurĂŒck nach New York. Hellwach und hellsichtig begibt sie sich als literarischer Wirbelsturm auf die Spuren von Ilf und Petrow, zweier russischer Schriftsteller, die 80 Jahre vor ihr unterwegs waren und zu Kultfiguren wurden. Ob Hoppe mit ihnen die Ford-Werke und den ersten elektrischen Stuhl besichtigt, nebenbei den Zaun von Tom Sawyer streicht, in einem Tornado verschwindet oder im Auge des Sturms auf Quentin Tarantino persönlich trifft – »Prawda« (russisch: Wahrheit) lĂ€sst die Leser Dinge sehen, wie sie ĂŒber das unglaublichste Land der Erde noch nie geschrieben wurden: eine literarische Weltentdeckung.

Aktuelles Buch

Felicitas Hoppe
Prawda

gebunden
S. FISCHER

 

Pressestimmen

»Absolut zauberhafter, romantisch-deutsch-amerikanisch-russischer Roadtrip (...) Hoppe ist sprachlich phantastisch witzig und sie ĂŒberhöht poetisch. Also alles das, was ich mir von einem Roman erwĂŒnsche, erhoffe, erflehe, ersehne...«

Thea Dorn, ZDF/Literarisches Quartett, 02.03.2018

THE MAKING OF PRAWDA

DIE WAHRHEIT DER KUNST IN ZEITEN DES LÜGENS

Felicitas Hoppe, MĂ€rz 2019

Mitte der dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts unternimmt das berĂŒhmte sowjetische Schriftstellerduo, Ilja Ilf und Jewgeni Petrow, im Auftrag der Tageszeitung PRAWDA („Die Wahrheit“) eine legendĂ€re Reise durch die Vereinigten Staaten von Amerika: In einem mausgrauen Ford durchqueren die beiden, auf der Suche nach dem vermeintlichen Klassenfeind, das viel beschworenen Traumland zwischen den Ozeanen und kommen nach 10 000 Meilen von Ost nach West und wieder zurĂŒck in ihrem faszinierenden Reiseroman (Das eingeschossige Amerika) zu dem bĂŒndigen Fazit: „Wenn Amerika sowjetisch wĂ€re, wĂ€re es das Paradies.“ 80 Jahre spĂ€ter machen sich Die furchtlosen Vier, die Schriftstellerin Felicitas Hoppe, die bildenden KĂŒnstler*innen Jana MĂŒller und Alexej Meschtschanow und die Wahlamerikanerin und Kulturwissenschaftlerin Ulrike Rainer auf eine Spurensuche, die exakt der Route des Duos folgt und dokumentieren ihre Nachreise simultan in Bildern, Texten und Tönen unter www.3668ilfpetrow.com. Jetzt prĂ€sentieren sie mit ihrem Making Of im Echtprint ein nicht weniger faszinierendes Gesamtkunstwerk. Neben AuszĂŒgen aus Hoppes Roman Prawda. Eine amerikanische Reise (2018) und einem höchst erhellenden KĂŒnstlergesprĂ€ch, das das gedankliche Zentrum des Buches bildet, hebt es vor allem den großen Schatz starker Bilder, die auf dieser Reise entstanden sind. Das Ergebnis ist ein konzeptionelles Druckwerk, das an die Herangehensweisen Aby Warburgs erinnert: Der Reisebericht in Bild und Wort verbindet experimentelle Fotografien, Zitate, historische Dokumente, FundstĂŒcke, GĂ€stelisten und RegistereintrĂ€ge zu einer so lebendigen wie schillernden Kartografie. Ob der in Las Vegas fotografierte Trump Tower, die deprimierenden Teppichornamente in trĂŒben Motels oder die karge Landschaft an der Grenze zu Mexiko: Im Abgleich mit den Reiseerfahrungen von Ilf und Petrow verweisen die subjektiven Aufnahmen und Texte in The Making of Prawda auf eine gesellschaftliche AktualitĂ€t und einmal mehr darauf hin, dass sich Geschichten und Mythen in Metamorphosen fortschreiben und dabei, im altbekannten Zwielicht zwischen LĂŒge und Wahrheit, ĂŒberraschend neu an Bedeutung gewinnen.

THE MAKING OF PRAWDA, Distanz Verlag Berlin 2019 / Herausgeber: Felicitas Hoppe, Alexej Meschtschanow, Jana MĂŒller, Ulrike Rainer