HOPPE AKTUELL

APPLAUS

01.05.2024 / Antrittsvorlesung von Felicitas Hoppe, der diesjährigen Gastprofessorin für deutschsprachige Poetik an der Freien Universität Berlin

Das literarische Werk von Felicitas Hoppe umfasst zahlreiche Erzählungen, Romane und Kinderbücher sowie Essays und Berichte. Für ihren frühen Erzählband Picknick der Friseure (1996) wurde sie mit dem Aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet. Neben dem literarischen Schreiben ist sie als Übersetzerin tätig und schreibt regelmäßig für verschiedene Tages- und Wochenzeitungen sowie für den Rundfunk. Hoppe ist weltweit reisend, schreibend und lehrend unterwegs und thematisiert dies in vielen ihrer Werke, wie etwa in Pigafetta (1999) und Prawda. Eine amerikanische Reise (2018). Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Brüder-Grimm-Preis, dem Großen Preis des Deutschen Literaturfonds und dem Georg-Büchner-Preis.

Im Frühjahr 2024 wurde Felicitas Hoppe mit dem Berliner Literaturpreis der Stiftung Preußische Seehandlung gewürdigt. Die Jury des Berliner Literaturpreises schreibt über Hoppe: „Felicitas Hoppes Sprachkunst verbindet federleichten Humor mit tiefstem Ernst, wilde Fabulierlust mit scheuem Interesse an einer Welt, die es mit den Menschen häufig nicht gut meint."

Verbunden mit dem Preis ist die Gastprofessur für deutschsprachige Poetik der Stiftung Preußische Seehandlung an der Freien Universität Berlin, die Felicitas Hoppe im Sommersemester 2024 innehat. In einer Schreibwerkstatt haben literaturinteressierte Studierende aus Berlin und Brandenburg die Möglichkeit, ihre eigenen literarischen Arbeiten mit der Autorin zu diskutieren. 

Den Auftakt zur Gastprofessur bildet die öffentliche Antrittsvorlesung am 15. Mai 2024.

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FERNE LÄNDER, FERNE ZEITEN - Sehnsuchtsfläche Plakat. Mit Geschichten von Felicitas Hoppe - Museum Folkwang Essen

06.03.2024 / Die Reise beginnt im Kopf. Wo sonst? Mit der Autorin Felicitas Hoppe geht es vom 15. März 2024 – 07. Juli 2024 in einer Plakatausstellung auf weite Reisen.

Trailer zur Ausstellung FERNE LÄNDER, FERNE ZEITEN.

Fernweh, Sehnsucht nach Abenteuern und der Wunsch zur Flucht aus dem Alltag: Bis in das 20. Jahrhundert hinein blieb vielen Menschen das Reisen verwehrt, es galt als elitäres Vergnügen. Fernweh wurde zu dieser Zeit mit Hilfe von Bildern und Reiseberichten gestillt. Reiseplakate, die großformatig und farbig die phantastischen und weit entfernten Ziele anpriesen, wurden für die meisten Menschen zu Sehnsuchtsflächen – zu „Reisen im Kopf“.

Die Ausstellung versammelt rund 300 historische und zeitgenössische Reiseplakate, die um zahlreiche Photochrome, Postkarten und den Nachbau eines Kaiserpanoramas ergänzt werden. Die Geschichte der Reiseplakate reicht bis in das vorletzte Jahrhundert: Bereits ab Ende des 19. Jahrhunderts werben Plakate für luxuriöse Reiseziele, vor allem in Europa und Nordafrika. Das Aussehen verändert sich stark in den 1920er und 1930er Jahren, die Technik und mit ihr die Geschwindigkeiten der Züge wer-den immer mehr zur Attraktion, zum Gegenstand der Werbung. In den 1950er Jahren beauftragen einige Airlines namhafte Künstler, Motive für ganze Plakatserien zu entwerfen, und als die NASA im Jahr 2019 eine Plakatserie für fiktive Reisen zu fernen Planeten auflegt, werden auch diese Entwürfe zu Projektionsflächen des Unvorstellbaren.

Für die Ausstellung konnte das Museum Folkwang die renommierte Schriftstellerin Felicitas Hoppe als literarische Begleiterin gewinnen. Hoppe ist auf ihrem Gebiet die Spezialistin zum Thema „Reisen im Kopf”: Sie wirft in ihren Texten ein gänzlich neues Licht auf die Sehnsuchtsflächen der Reisenden und der zu Hause Gebliebenen. Die Schriftstellerin verfasst zu acht Kapiteln der Ausstellung exklusive und bislang unveröffentlichte „literarische Kopfreisen“, die sie selbst für die Museum Folkwang-App eingesprochen hat und die im Katalog sowie in einem kleinen Begleitbuch nachgelesen werden können.

Informationen zur Ausstellung

In der Presse (Auswahl)

 


Felicitas Hoppe zum Berliner Literaturpreis: "Über die Kunst des Schreibens" in NDR-Kultur sowie im Gespräch mit RBB-Kultur

06.03.2024 / Felicitas Hoppe bekam am 05.03.2024 den mit 30.000 Euro dotierten Berliner Literaturpreis.NDR Kultur sprach zuvor mit der Schriftstellerin über Ehrungen, über Authentizität, über Humor.

Das Weserbergland mit der Märchenstraße war eine Prägung, sagt Felicitas Hoppe, sie liebt die Rattenfänger-Geschichte, weil man immer wieder über sie spekulieren könne. Und sie liebt das Gespräch, weil ihr Literatur zuerst mündlich begegnet ist. "Durch tun zum tun" heißt es in ihrem Buch "Hoppe", über das sie einmal gesagt hat: "Autobiographie heißt ja nicht Lebensfakten erzählen, sondern Autobiographie heißt, in Teilen verstehen, wer man selbst ist. Und das funktioniert in diesem Buch wunderbar, für mich. Für das Publikum? Das ist was anderes."

Sie haben schon so viele Ehrungen erhalten. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung? 

Felicitas Hoppe: Es ist so eine Sache mit den Ehrungen. Sie sind eine große Freude. Sie sind immer eine Ehre, wie der Begriff ja schon sagt. Zugleich ist jede Ehrung ein bisschen einer anderen Natur. Das hängt natürlich stark davon ab, woher der Preis kommt, wer der Namensgeber des Preises ist. Hier ist es die Stadt Berlin. Der Preis ist insofern besonders, als er mit einer Gastprofessur an der Freien Universität in Berlin verbunden ist, das heißt, man traut mir zu, ein Semester an dieser Universität zu lehren. Ich werde dort ein Schreibseminar unterrichten, muss, darf, soll, aber auch eine ganz reguläre Antrittsvorlesung halten und darf mich ein Semester lang Professorin nennen, mal sehen, wie das werden wird.

Von Preisen und Professur: Felicitas Hoppe im Gespräch (26 Min)

Die Antrittsvorlesung ist öffentlich und wird am 15. Mai stattfinden. Was wird Ihr Thema sein? 

Hoppe: Für diese Antrittsvorlesung habe ich mir vorgenommen, mein Publikum genauer ins Auge zu fassen und über Resonanzräume, über Applaus zu sprechen. Was bedeutet es, Applaus zu bekommen? Was bedeutet es, gelobt zu werden? Es gibt auch Applaus von der falschen Seite, das darf man nicht vergessen. Und in diesen auch politisch hochbrisanten Zeiten ist es sehr wichtig und spannend und auch herausfordernd, über Resonanzräume zu sprechen und sich zu fragen: Zu wem spreche ich? Wer sitzt dort? Was für Erwartungen bringen diese Leute eigentlich mit? Was wünschen die sich von mir und was wünsche ich mir von denen? Sie haben in der Anmoderation das Gespräch erwähnt, und das möchte ich auf diesen Raum explizit ausdehnen und ein bisschen wegkommen von dem‚ was in meiner Werkstatt passiert.

Ich möchte aber trotzdem kurz zurück in die Werkstatt. Susan Sontag hat gesagt: "Ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke." Wie gehen Sie an das Schreiben so einer Antrittsvorlesung heran, gerade wenn es um Resonanz geht, da sind alle genannten Aspekte ja eigentlich enthalten? 

Hoppe: Das Schreiben ist zunächst eine Form von Selbstgespräch, insofern stimme ich Susan Sontag zu. Ich versuche, meinen Gedanken auf die Spur zu kommen. Das geht im mündlichen Gespräch. In der Schriftlichkeit entfaltet sich das noch einmal ganz anders. Dafür braucht man die Ruhe, die Abgeschlossenheit und zugleich ist es etwas, was ich theoretisch im Kopf nicht könnte. Ich tue es durch die Motorik des Schreibens, durch die Handarbeit förmlich. Sie haben vorhin in der Anmoderation schön zitiert: "durch tun zum tun". Und ich würde sagen, auch durch tun zum Denken. Das ist etwas sehr Interessantes, zu sitzen, zu schreiben und plötzlich zu merken wie sich etwas öffnet. Das ist anders als nur nachzudenken. Zugleich entwickelt sich im Schreiben wieder eine Form des Gesprächs.

Ich merke, dass im Lauf der Zeit das Publikum unscharf ist. Ich stelle mir keine konkreten Leute vor, auch nicht die sogenannte Zielgruppe, das halte ich für einen ganz verfänglichen Begriff. Aber es gibt ein Gegenüber, und das wird angesprochen, sei es mündlich, sei es schriftlich; und diese Codes der Ansprache, auf die bin ich später erst in der Reflexion über meine eigenen Texte gestoßen, wo ich dachte, du sprichst immer irgendwo hin und wünscht dir, dass andere dir beim Denken zuschauen. Vielleicht ist das auch der große Wunsch nach diesem Gegenüber, das Freude hat, mich bei diesem Prozess zu begleiten. Das Gespräch führte Raliza Nikolov.


Laudatio und Danksagung zum Berliner Literaturpreis 2024


Weitere PRESSE:

 


Felicitas Hoppe ist mit einem Interview zu Knut Hamsun in der Frühjahrsausgabe 2024 der ZEITSCHRIFT FÜR IDEENGESCHICHTE vertreten

22.02.2024 / Wie lässt sich von der existentiellen Macht "Hunger" erzählen? Literaturhistorisch gehört es zu den paradoxen Beobachtungen, dass es ein aller Sprache und Ideen vorgelagerter physischer Mangel ist, der eine reiche Fülle an Literatur aus sich herausgetrieben hat. Mit einem Gespräch über Knut Hamsuns epochalen Roman "Hunger" (1890) setzt die Ausgabe ein. Die moderne Literatur verzeichnet mit dem Kontrollverlust der alten, geordneten Erzählwelt den Auftritt eines neuen, fiebrigen Erzählers, der in einer eigenen Logik des Wahnsinns hinter dem Rücken des Autors das Geschehen voranpeitscht. Auch von diesem "Irren" handelt diese Ausgabe.

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